Posts by rawitz

    Meine Bemerkungen hatte ich vorweggeschickt, um nicht wie früher bei meinen Bildpräsentationen ausschliesslich über "stürzende Linien" zu diskutieren. Deine Kritik, hier nicht konsequent genug zu sein, ist für mich überraschend, aber ich nehme das erstmal so an.


    Vielleicht hilft es, wenn ich einiges zu den Fotos noch sage. Stürzende Linien etc. sind narürlich kein Selbstzweck. in Bild 2 und 3 habe ich diese deshalb weitgehend digital korrigiert, weil es sonst auch einen komischen Einsturzeffekt des Riesenrades gegeben hätte. In Bild 1 sind die stürzenden Linien am rechten Bildrand erhalten geblieben, weil damit auch der aufdringliche Vordrängeleffekt der Werbewand verstärkt wird. In Bild 4 ist perspektivisch von mir fast gar nichts korrigiert worden. , weil das Bild für mich genau so am besten erscheint: alles ein bisschen wild durcheinander ohne Orientierung, was diese Dinger ja im Betrieb beim Benutzer erzielen sollen. Es verwundert nicht, Bild 4 gefällt mir am besten.


    Ich hätte eher erwartet, das meine andere Enscheidung, nämlich die meisten Fotos an den Rändern ziemlich brutal mit anderen Objekten anzuschneiden, Kritik hervorrufen würde. Für mich eine wichtige Entscheidung, weil sich dadurch der Raum öffnet und das Auge sich selbst vorstellen muss, wie es rechts und links weitergeht. Und der Raum gehört für mich mit zur Archititektur des Jahrmarkts.


    Ich lege noch ein Foto bei, das vielleicht weiterhilft mit dem was ich wollte und nicht wollte.


    Ein klassisches Grossformatfoto, das auskorrigiert und in sich stimmig gestaltet ist, dass man nichts daran auszusetzen hat. Gerade deshalb finde ich es langweilig und habe es nicht hereingenommen.


    Gruesse

    Rainer

    Einige noch an mich persönlich gerichtete Fragen will ich gerne noch in Ruhe beantworten.


    Warum fotografiere ich so und warum habe ich diesen Jahrmarkt so fotografiert?

    Als "durchgeknallter Streetfotograf" ist ein leerer Jahrmarkt für mich nicht tot, sondern im Gegenteil über und über mit symbolischem Leben erfüllt. Die Aufmachung der Buden, die Farben, die Werbetexte schreien mich geradezu an und wollen meine Aufmerksamkeit haben.

    Genau deshalb sind sie ja so gestaltet. Und erst wenn der Jahrmarkt leer ohne Menschen ist, kann ich das richtig wahrnehmen.


    Das gilt auch für meine andere Fotografie, die "menschenleere" Streetfotografie habe ich natürlich nicht erfunden, es gibt hier eine jahrelange Tradition von Fotografen wie Meyerowitz, Shore, Sternfeld, Sealand und schon früher in SW wie Evans. Diese Leute haben mir damals die Augen geöffnet, nachdem ich meine Leica schon zur Seite gelegt hatte und mich auf mein Studium konzentriert hatte. Und nicht zu vergessen, vom grossen Wahrnehmungs-Provokateur Eggleston habe ich gelernt, dass man auch über die Schulfotografie mit ihren Perspektivregeln und Gestaltungsschablonen hinausgehen muss, wenn es der Bildaussage dient.


    Aber warum gehe ich auf den Jahrmarkt mit der GF-Kamera?

    Weil diese grosse Symbolszenerie beim genauen Hinsehen aus so vielen kleinen Mikrowelten besteht, die man erst im Grossbild und als Grossvergrösserung einzeln sieht und nacheinander lesen kann. Das ist wie ein spannendes Buch mit vielen Kapiteln, die man auch einzeln lesen kann. Jedenfalls ist das so für mich als "durchgeknallten Fotografen" und das ist auch schon genug.

    Ich kann das erklären wenn es jemanden interessiert, aber ich muss niemanden überzeugen.


    Bei den Fotoproxies hier in Forum kann man das leider nicht nachvollziehen. Ich lege einfach mal einen Bildausschnitt in 1:1 aus den Bild1/linker Rand bei, vielleicht kann man sich das dann vorstellen: Bild 1 explodiert geradezu mit symbolischen Leben.


    Warum ich dann auch noch mit 8x10Handykamera dahin gehe?

    Ich glaube das habe ich oben schon mal erklärt. Und nein - Verwacklungsunschärfen werden von mir auch mit der Handy nicht akzeptiert, hab da schon einiges weggeworfen.


    Ob man mit der Handykamera auch vom Stativ arbeiten darf?

    Darüber habe ich in meinem Alters-Leichtsinn tatsächlich noch nicht nachgedacht. War ja wohl auch nicht so ernst gemeint.


    Gruesse

    Rainer

    Hi Markus,

    Danke aber ich muss nachfragen was du genau meinst. Die "rote Bodenleiste" stört mich auch, aber das sind die Reflexionen in der Aluplatte - werde ich trotzdem vielleicht noch wegmachen. Wenn du den Himmel (links oben) meinst, bin ich mir nicht sicher, ob es nicht eine der vielen Schleierwolken ist oder tatsächlich verschliert.

    Entwicklungstechnisch kann ich da nichts mehr machen, dafür hab ich die digitale Bildbearbeitung.

    Übrigens ist mir aufgefallen, dass die Fotos auf meinem Notebook aufgerufen einen deutlichen Rotstich haben, den ich auf meinem

    riesigen 4k Arbeitsmonitor nicht habe. Wie seht Ihr diese Fotos? Ich muss jedenfalls mal wieder nachkalibrieren.

    Die Bilder hier sind an einem Tag aufgenommen, entwickelt, digitalisiert und bearbeitet worden. Da gibt es sicher nochwas zum

    nacharbeiten, wenn ich die Zeit habe, alles nochmal in 1:1 Feinauflösung zu kontrollieren.


    Hi Frank,

    diese Grossformat-Handykameras sind jetzt nichts ganz neues, die bekannten Linhof und Sinar Panoramakameras sind ja nichts anderes. Schon vor gut 15 Jahren hatte ich auf der Fotokina eine 8x10 Handykamera in der Hand gehabt und war schwer beeindruckt: Ein Ami hatte eine neue kleine Produktion in Hongkong aufgemacht, und wollte ein komplettes Sortiment von Handykameras aller Formate herausbringen. Die Firma Fotoman gibt es -ich glaube- auch heute noch, sie produziert aber nichts mehr, Gebrauchtgeräte tauchen immer mal wieder auf. Neulich hab ich sogar eine 8x10Handy für stolze 3500 $ angeboten gesehen.


    Aber warum mache ich das jetzt mit der 8x10Handy? Ich sehe immer wieder auf der Strasse tolle Motive, die ich gerne auch mit der Grossformat machen würde. Meine beiden Versuche mit der 9x15 Kamera sind gründlich fehlgeschlagen. Nach kurzer Zeit habe ich eine Traube von "fachkundigen Laien" um mich herum, die mir ausführlich erzählen, wie ihr Grossvater auch schon mit "so einer Kamera" ganz tolle Fotos gemacht habe. So funktioniert es also (für mich) nicht, deshalb hier ein neuer Versuch, von dem ich noch nicht weiss, wie es ausgeht. Ich finde es toll, dass die meisten Leute mit ihrer GF-Kamera in die einsamen Landschaften hinausgehen, und schon das Fotografieren in Ruhe geniessen können. Ich kann es meistens nicht. Selbst auf dem Jahrmarkt hatte ich nach 100 Metern die Security neben mir stehen, denen ich erklären musste was ich da mache, und die wohl in meiner Reisetasche eine Bombe vermutet hatten.


    Gruesse

    Rainer

    Hallo Jockel,

    ja ich benutze den Sucher, die Mattscheibe habe ich zwar dabei, aber bei 8x10 und Weitwinkel hat man kompositorisch sowieso keine Kontrolle mehr über die Mattscheibe.

    Auch das Stativ benutze ich normalerweise nicht, denn mit dem ganzen aufgebauten Equipment herumzulaufen ist lästig und zu auffällig. Auf dem Rummelplatz war es anders, da musste ich nur ein paar Meter zum nächsten Motiv gehen.

    Mit 400 ASA Farbnegativfilm komme ich bei normalem sonnigen Licht auf Bl.22 und 1/125sek. Das geht "aus der Hand", denn die Kamera ist nicht schwer und gut auf der Brust abzustützen. Bei meinen ersten Praxistests habe herausgefunden, dass das SAngulon bei Bl.16 randscharf ist und auch 1/60 sek. aus der Hand noch geht. Es ist also noch etwas Lichtreserve vorhanden, aber natürlich ist auch das kleine und leichte Stativ immer dabei in der "Sporttasche".

    Die Entfernung habe ich auf dem Heliozid markiert bei oo, 10m und 5m. Das reicht, denn bei Bl.22 und dem Weitwinkel gibt es auch genügendend Tiefenschärfe, ca. oo bis 6m.

    Bei den ganz grossen Handykameras gibt es ja keine Möglichkeit zu shiften und tilten, man muss schon präzise arbeiten. Die Optik habe ich mit 1 cm Shift nach oben eingebaut, das macht das SAngulon noch gerade mit.

    Bauliche Schwierigkeiten hatte ich, für die grosse Hinterlinse der Optik ein passendes Helizoid zu finden, die beiden Schneider Helizoide, die ich noch habe, sind zu eng. Das gefundene China-Helizoid hat 62mm Gewinde vorn und hinten und 1,5 cm Auszug, trotzdem schlägt die Hinterlinse ab 3m Entfernungseinstellung an die Fassung an, aber das reicht mir aus.

    Das grösste Problem war die Feinjustierung der Optik mit der Filmebene, denn schon 1/10 Grad Abweichung machen sich beim WW mit einer tendenziell unscharfen Ecke bemerkbar. Auch die Bildfeldwölbung der Optik muss bei der 00-Justierung einberechnet werden: für die Bildecken muss im Vergleich zur Bildmitte der Auszug leicht verlängert werden.

    Aber jetzt ist es ja soweit und der ganze Bastelfrust beendet und vergessen.


    Gruesse

    Rainer

    Ein schöner kritischer Rundumschlag von Shen Hao, man hätte vielleicht noch die zerzauste Frisur und das ungebügelte Hemd des Fotografen argumentativ mitverarbeiten können, dass alle Fotos Sch..... sind.

    Wenn du mich damit ärgern wolltest, hast du das Gegenteil erreicht: Dein Beitrag ist ein Live-Beispiel für die Wahrnehmungsprobleme, die viele Leute mit der "Streetfotografie" haben. Wo offensichtlich durchgeknallte Fotografen phantastische Weltbilder sehen, sehen sie selbst nur tote Materie: eine leblose leere Strasse bzw. einen leeren Platz mit ein paar abgestellten Buden.

    Und tatsächlich haben sie "in der Sache" recht! Was ich jetzt aber nicht verstehe, wieso sich diese Leute für Sonnenuntergänge und Bergpanoramen begeistern können. Denn das ist doch dasselbe.


    Gruesse

    Rainer

    Nachdem ich mich seit einiger Zeitvor allem in meine ULF-Kamera 9x15" eingearbeitet habe, mache ich garnichts mehr mit meiner 5x7" Handykamera, da mir 13x18 cm fast schon als Kleinbild vorkommt, wenn ich die Filme neben die ULF lege. Aber ein Foto mit der ULF ist gewichtsschwere und zeitaufwändige Arbeit im Vergleich zur 5x7Handy, die ich fast wie eine Leica transportieren und gebrauchen konnte ...

    Es hat einige Zeit gedauert, bis das Projekt einer 8x10 Handykamera realisiert werden konnte, da ich selbst leider keine solide Werkstattausrüstung mehr habe (FfmCity-Etagenwohnung). Aber der Ausbau einer ebay-8x10Lochkamera mit neu angepasstem Tubus und China-Helicoid zum vorhandenen SAngulon MC 8/120 und Aufstecksucher, Stativschelle und Trageriemen führte dann doch zu einem Ergebnis, dass ich hier mal praktisch präsentieren möchte.

    Die "Handytechnik" (obwohl hier mit Leichtstativ) und Thema Jahrmarkt passen gut zusammen, denn schnelles Arbeiten und die geringstmögliche Aufmerksamkeit des "Publikums" sind Bedingung für solche Projekte.

    Das Projekt: Während man von Jahrmarktfotografie einen bunten Menschentrubel erwartet, ging es mir genau um das Gegenteil: um die Architektur des Jahrmarkts, die erst ohne den Menschentrubel in ihrem Eigenleben dargestellt und verstanden werden kann - eben Streetfotografie im besten Sinne.

    Man kennt auch meine eher "provokative"Art der Fotografie, dh. über "stürzende Linien" etc. müssen wir hier als technisches Problem nicht mehr reden, höchsten als Bildgestaltungsdiskussion. Wie bekannt fotografiere ich mit Colornegativfilm, entwickle C-41 mit der Jobo CPE, scanne mit Epson 700 mit 2400 dpi und mache selbstverständlich die entgültige Bildbearbeitung digital. "stürzende Linien" sind also bei mir immer nur Gestaltungsentscheidungen, keine technischen Probleme mehr.

    Natürlich ist trotzdem jetzt auch jede Art von Kritik willkommen, und auch Lob wenn es sein muss ...

    Auch die Bilderrätsel auf den alten Filmpackungen funktionieren prima.
    Man glaubt es kaum.

    Da ich keine Packungen aufbewahre, habe ich alles vereinfacht:

    Bei Schönwetter/Sonne ist der Ausgangswert=Standard 1/125 sek Bl.11 ASA100, merkbar auch für demenznahe Leute wie mich.

    Im Hochsommer mit klarer Luft: Bl 16.

    Leicht bewölkt: Bl.8.

    Im Schatten bei Sonne oder insgesamt bewölkt Bl.5,6.


    Der Rest Zeit/Blende wird einfach umgerechnet . Wird von mir natürlich auch mit dem Belichtungsmesser gegenkontrolliert (indirekte Lichtmessung), wenn ich ihn nicht im Auto vergessen habe. Habe so aber auch schon meinen BeliMess beim Falschmessen ertappt.

    Da hab ich doch tatsächlich eins, sogar 2: ein Tele-Xenar 5,5/360 und ein Tele-Arton 5,5/360, beide vergütet. Aber nur einen für beide passenden Compound-Verschluss, das andere in Blendenfassung.

    Bei Interesse PN oder email ...

    Gruesse

    Rainer

    Ich nehme mal Micha beim Wort, aber von hinten nach vorn, und soweit ich ihn richtig verstehe.

    Er macht(e) Grossformat Film, weil er Grossprint ab 90x120 will - und zwar in Farbe. Und hat jetzt festgestellt, dass er diese mit Digitalkameras auch und sogar besser bekommt.


    Richtig! Und das merkt er erst jetzt? Unser lieber Andreas Gurski fotografiert schon lange nicht mehr mit 4x5 Film (nur wenn Reporter kommen), sondern mit Phase One 150 MPixel digital (oder glaubt jemand, für die Japanserie aus dem Zugfenster hätte er in der Zugkabine Grossformat aufgebaut). Damit ist er auflösungstechnisch bei 13x18 bis 20x25 cm Grossformat.

    Hab ich selbst ausprobiert - stimmt also wirklich.


    4x5 Film ist dann wirklich zu klein für die Ansprüche an Grossprints, die du hast.


    Ich habe mit Trommelscannern schon vor 25 Jahren gearbeitet. Wenn dein Scannerservice aus seinem Trommelscanner nicht die von dir gewünschte Gradation und Farbwiedergabe liefern kann, ist er m.eE. das Geld nicht wert. Ein guter Scanneroperator kann dir jeden gewünschten "Filmlook" von jedem Film (!) liefern. Aber ok, selber Trommelscannern willst du nicht, und die einfacheren Epsons und Co. sind für 4x5 und Grossprints schon knapp (obwohl die 2400 dpi des Epson schon in die Grenze des Filmkorns hinreichen).


    An den Filmpreisen wird sich nichts ändern, aber durch Selbstentwickeln und Selbstscannen kann man eine Menge Geld sparen. Ausserdem dürften die Kosten eines professionellen Grossprints in Farbe schon die Kosten für Film, Entwicklung und Scan übersteigen. Und derselbe Print ist von der Digitalkamera nicht billiger.


    Und zum Schluss: Wenn du mit einer Digitalkamera qualitativ deutlich über 4x5 Film hinausgehen willst, musstest du schon einiges Geld hinlegen. Was für eine Digi hast du denn oder soll es ein Geheimnis bleiben. Aber ich will dir deinen Schritt nicht vermiesen, kein Fotograf kann heute einen professionellen Auftrag noch rationell mit Film ausführen, und wenn das dein Ziel ist, ist deine Entscheidung richtig.


    Gruesse

    Rainer

    Die Beugung des Lichtes hängt nur von dem Durchmesser der Blende und von der Wellenlänge des Lichtes ab.

    Richtig! Aber der für den Fotografen relevante Betrag der Beugung auf dem Film wird auch durch die Länge des Wegs (Bildweite) von der Beugungsquelle (Blende) zum Film definiert. Einfach gesagt: ein längerer Weg fächert die Beugung umsomehr auf.

    Deshalb ist auch die Beugung auf dem Film bei einem Teleobjektiv mit Blende 32 gleich (!) mit einem Weitwinkel mit Blende 32.

    Die (fotografisch relevante) Beugung ist unabhängig vom Objektiv, Brennweite oder Filmformat bei gegebener Blende immer gleich.

    Es reicht wenn man für die kritische und die förderliche Blende die Blendenzahl errechnet ohne sich um Brennweite und Objektivtyp zu kümmern.

    Kritisch wird es allerdings bei der Definition des maximal zulässigen Unschärfekreises, mit dem die (physikalische) kritische Blende auf die (konventionell definierte) förferliche Blende umgerechnet wird. Ich hab mal nachgeschaut: fotoschulmässig wird für das Kleinbild ein Unschärfekreis von 1/30mm, für 4x5 von 1/10 und für 8x10 von 1/5 angegeben und damit die jeweils förderliche Blende errechnet. Das ist natürlich schon für die modernen Filme und Hochleistungsobjektive viel zu wenig. 1/30 mm sind ein Auflösungsvermögen von 15 lp/mm, wobei moderne Objektive gut 100 lp/mm und moderne Filme 50 lp/mm schaffen.

    Schon früher vor der Digitalfotografie hiess es, man solle bei Kleinbild für kritische Fotografie die Schärfetiefetabellen der Objektive halbieren. Und während die 5 lp/mm und weniger dann für die Grossformatfotografie früher noch hinhauten, da maximal 50x60 cm vergrössert wurde, werden heute auch Grossformatfilme in Hochleistungsscannern mit 2000 dpi und mehr abgescannt und entsprechende Filmqualität erwartet : 2000 dpi sind immerhin 40 lp/mm !!!

    Wie sieht es bei GF, 4x5" aus?!

    Wovon kann/muss man ausgehen?

    Bis zu welcher Blende habe ich optimale Schärfe/Tiefenschärfe und

    ab welcher Blende setzt bei diesem Format die Beugungsunschärfe ein?

    Streng genommen hat das mit dem Filmformat und Tiefenschärfe nichts zu tun. Die Unschärfe durch Beugung nimmt bei jedem Objektiv mit Abblenden schon bei der ersten Stufe zu, die optische Schärfe des Objektivs wird erst durch Abblenden verbessert. Die förderliche Blende ist dann die Blende, ab der der optische Schärfegewinn durch Abblenden durch den Schärfeverlust durch Beugung übertroffen wird.

    Wichtig ist dann nicht das Filmformat, sondern der verwendete Film, dessen höchstes Auflösungvermögen/Schärfe je nach Filmsorte bekanntlich unterschiedlich sind. Wenn ich mal für einen modernen Farbfilm ein Auflösungsvermögen von maximal

    50 lp/mm annehme, so ist die förderliche Blende hier erreicht, wenn der Unschärfekreis durch Beugung grösser als !/100 mm ist.


    Es ist klar, dass das Filmformat und auch die Optik und Brennweite hier keine Rolle spielt. Tatsächlich ist es aber in der Fotopraxis so, dass aufgrund der ansteigenden Fehlertoleranzen mit grösseren Formaten, man zb. für das 8x10" Format einen maximal tolerablen Unschärfekreis von (glaube ich) 1/10mm angesetzt hat, der zuerst die Schärfetiefewerte, aber ebenso die förderliche Blende definiert. Während die an der maximalen Filmschärfe definierten förderlichen Blende praktisch nie erreicht wird (höchstens ab Bl. 64), ändert sich die praktische förderliche Blende je nach Filmformat tatsächlich, da für 4x5" Format eine geringere Unschärfetoleranz als für 8x10 vorgegeben ist, ich glaube 1/20 mm.

    Schon klar, deine Hoffnung ist, dass wenn ein 240 Heliar auf eine Kamera mit 26cm Auszug passt, dann könnte auch ein 250 Heliar in Effektstellung noch auf einen Auszug von 27/28cm passen.

    Ich könnte dir zusätzlich noch die Hoffnung geben, dass wie oben erklärt die 250 Effektstellung nicht unbedingt 5cm kürzer ist als die 300 Normalstellung. Denn Zoomobjektive tendieren durch ihre Konstruktion zur Bildweitenkonstanz, dh. der Kameraauszug

    verändert sich nicht im gleichen Verhältnis wie die Brennweitenänderungen.

    Ich sehe also schon eine gewisse Chance für dich, mit deinem Setup gerade noch hinzukommen. Aber genau weiss man es nur durch ausprobieren.

    Jetzt weiß ich, wo ich mich im Kreis gedreht habe, mir ging es ja beim Erwähnen des 24ers eigentlich um was ganz anderes:

    Wenn ein 24er für eine Kamera mit 26 cm Gehäuselänge vom Hersteller empfohlen wird, passt 1. ein 30er auch, und 2. müsste dann doch eigentlich eine 25er Brennweite (30er auf 25 durch Softfocus verstellt) passen.

    Ich kenne jetzt die Kamera nicht, auf die du dich beziehst. Wie ich dich eingangs verstanden habe, hast du ein Kameragehäuse mit 27/28 cm Mindestauszug (Max. dann jedensfalls länger) und möchtest wissen, ob das UHeliar 300 bei der Effektbrennweite von 250

    noch an die Kamera passt, oder der Auszug dann zu kurz wird.

    Mit dem normalen 240 Heliar wird es sicher nicht gehen. Da bei der 250 Effektstellung des 300 aber nicht notwendigerweise der Kameraauszug um genau 5 cm kürzer wird (aufgrund der eigenartigen Konstruktion, die "Zoomfahrt" einer Linse zur Weichzeichnung zu verwenden), und wohl auch keine Dokumentation existiert, muss man es:

    PRAKTISCH AUSPROBIEREN.

    Soweit sind wir doch jetzt gekommen und müssen das nicht wieder zerpflücken.

    Nein, das UHeliar 300 ist nur in der Normalstellung baugleich mit dem normalen Heliar 300. In der Effektstellung ist die Mittellinse nach vorne verschoben und damit nicht baugleich dem 240er normalen Heliar, und es hat damit auch nicht unbedingt den gleichen Balgenauszug.

    Du selbst hast kein Objektiv zum nachmessen, wissen wir, aber Karsten hat hier doch eins. Selbst wenn es kein 300er ist könnte man die Ergebnisse relativ umrechnen.

    Das Normalheliar wird dir auch nicht weiterhelfen, denn das Universalheliar ist eine Objektivkonstruktion, bei dem ein Weichzeichnereffekt durch Veränderung der Brennweite von 30cm auf 24cm erzielt wird. Es ist also nicht mit den üblichen Weichzeichnervorsatzlinsen und Weichzeichnerobjektiven zu vergleichen, die man erst fokussiert und dann den Weichzeichner setzt.

    Beim Universal-Heliar muss (!) erst der Weichzeichnereffekt eingestellt und dann fokussiert werden, weil ...siehe oben.

    Auch wenn man davon Kopfschmerzen bekommt, ist es wichtig das zu verstehen, sonst dreht sich die Diskussion wie hier im Kreis.

    Die eigentliche Frage ist ja nicht beantwortet:

    Wie gross ist und um wieviel verändert sich der Balgenauszug (wenn man das Wort Bildweite nicht mag), wenn man das UHeliar in Normalstellung und Effektstellung auf OO fokussiert.

    Ein einfacher Versuch:

    Du misst mit einer Messlehre die Gesamtlänge des Objektives im bisherigen, defekten Verschluss. Danach schraubst Du das Objektiv in den neuen Verschluss und misst wieder die Länge. Stimmen beide Maße überein, ist höchstwahrscheinlich alles o.k. Ansonsten wird es schwierig...

    Das ist es auch, was die Fachbetriebe bei der Montierung der Objektive in die Verschlüsse machen. Die Gesamtlänge des Objektivs im Verschluss von der Kante Vorderfassung zur Hinterkante ist in den Specs vorgegeben. Ich habe das mal bei Plaubel gesehen. Nur haben diese Leute genauere Messvorrichtungen. Ohne Verkanten wird man es selber mit einem Messschieber kaum machen können.


    Falls man diese Zwischenringe mal verliert oder vergisst, wird dadurch die Optik auch nicht unbrauchbar. Das "Spacing" der Vorder- und Hinterlinse ist für die Randauflösung und Bildfeldwölbung relevant.

    Wenn mans ganz genau wissen will, ein Versuch: Objektiv im neuen Verschluss einmal mit und ohne Distanzscheiben testen und und auf einen eventuellen Abfall der Randschärfe zur MIttenschärfe untersuchen. Natürlich bei Offenblende, abgeblendet wird man da keinen Unterschied mehr finden.

    Jetzt wirds spannend, tatsächlich ist die klassische Cook-Triplet Konstruktion auch der unbekannte Urtyp des Zoomobjektivs.

    Ich hab hier in meinem Archivmaterial gefunden, dass "eine Bewegung des Mittelelements näher zur Vorder- oder Hinterlinse den Bildwinkel vergrössert oder verkleinert. Diese Fähigkeit des Triplets führte eventuell zur Entwicklung der Zoomobjektive" (sinngemäss von mir übersetzt).

    Zitiert nach: Lens Genealogy Part 1, Roger Cicala, hab leider keinen direkten Link.



    Das geht in die Richtung der Hoffnungen von Scharzweisseher. Müsste man wirklich mal verifizieren. Dann wäre das Universal-Heliar ein Zoomobjektiv mit einem vollkorrigierten Bild bei Stellung des Mittelgliedes hinten und zunehmend unkorrigierten Bild mit Verstellung nach vorne. Aber ob damit die Bildweite immer (fast) gleich bleibt, wie bei modernen Zoomobjektiven, ich damit noch nicht gesagt.

    nur als Gedankenexperiment:

    Wenn das 300Heliar in der Normalstellung eine Telekonstruktion wäre, also die Bildweite kürzer als die Brennweite, wäre es tatsächlich vorstellbar, das der Teleeffekt durch Verschiebund der (negativen) Linsenkonstruktion sich verändert. Oder auch umgekehrt. Das wäre dann aber schon ein Zoomobjektiv mit konstanter Bildweite bei veränderlicher Brennweite. Das ist wohl das was die erhoffst.

    Was ich mich halt frage ist, ob allein die Verschiebung der einzelne Linse im Objektiv schon die Verschiebung um 5 cm bringt (könnte doch sein), oder ob man eben zusätzlich noch 5 cm über den Balgen nachfokussieren muss.

    Also die Frage wäre dabei, ob die 25 bzw. 30 cm ab Objektivhinterkante gemessen werden oder ab Blende oder ab verschiebbarer Linse oder ab Objektivmitte. Bei so einem großen Objektiv ist das durchaus ein beachtlicher Unterschied.

    Die Verschiebung der einzelnen Linse im Objektiv ist ja selbst die Ursache der Brennweitenänderung und kann nicht gleichzeitig die Korrektur der Bildweite sein. Unter Bildweite versteht man den Abstand vom Verschlussende zur Mattscheibe und ist nicht unbedingt gleich der optischen Brennweite. Schneider Kreuznach (auch Rodenstock ua.) gibt immer beides an, wobei die Bildweite natürlich wichtig für die Montage des Objektivs ist. So auch bei dir, leider stehen in deinen Specs keine Angaben über die Bildweite des UHeliars und ihre Veränderung beim Soften. Das wäre für deine Frage entscheidend. Die in den Specs angegebenen Brennweiten von 300 und 250 dürften aber auch den Veränderungen der entsprechenden Bildweiten entsprechen, also eine "Selbstkorrektur" durch die Linsenverschiebung ist nicht zu erwarten.