Posts by cherub

    Moin Felix!

    [...] Gibt es vernünftige Entwicklungen zum vernünftigen Preis?

    Jein. Es gibt schon preiswerte Geraete, zum Beispiel von RH Designs. Wenn Du mit vernuenftig allerdings billig meinst, dann eher Nein. Ein Photolabor zu haben war prae-digital nicht guenstig, aber immerhin weit verbreitet. Ueber die Resterampe ging dann jahrelang alles moegliche. Aber die Zeit und die Entwicklung der Geraete ist nicht stehengeblieben, aber zum absoluten Nischenmarkt geworden. Das kann man bloed oder unangemessen finden, aber der Markt entscheidet.

    Die Alternative heisst also selber Bauen. Es gibt im Netz einige Bauanleitungen zu enlarger timern, vielleicht sogar zu f-stop timern. Ich habe mir so etwas gebaut, bin aber noch nicht damit zufrieden; weshalb ich an einer besseren Neukonstruktion werkel. Im Zweifelsfall muss man eben mehr Zeit investieren. Ein wenig Verstaendnis fuer die Materie schadet auch nicht; wie bereits angedeutet laesst sich nicht jeder Vergroesserertyp vergleichsweise "simpel" steuern.

    Gruesse,

    Christoph

    Die Ursprungsfrage ist relevant, es gibt zwei Dimensionen: Teil eins ist Zugang/Zugaenglichkeit, Teil zwei ist die Verwendung.

    Im Hinblick auf die bereits zitierte Panoramafreiheit gibt es eine ganze Reihe von Einschraenkungen. In der Theorie beziehen sich die meisten auf die "kommerzielle" Nutzung, der Einfachheit halber wird oft genug alles plattgebuegelt, auch die private Verwednung. Verbieten scheint einfacher als Erlauben zu sein. Die Sache mit dem Zugang gestaltet sich auch deswegen beliebig kompliziert. Ein einfaches Verfahren, um Zugang zu erhalten oder eine explizite Fotoerlaubnis zu bekommen gibt es meiner Erfahrung nach nicht.

    Mein Tipp: bei interessanten Gelaenden/Gebaueden jemand "Internes" finden, der die inneren Ablaeufe kennt und auch begleiten kann. Gebaeude in oeffentlicher Hand sind auch meist noch machbar (z.B. Museen, Theater, etc.). Alles andere ist bis auf extreme Gluecksfaelle quasi unmoeglich, wenn man mit Erlaubnis photographieren moechte. Mit GF steht meistens Stativ an, damit laesst sich im Fall der Faelle schlecht wegrennen. Private Unternehmen habe ich deshalb weitestgehend aus meinen Bildideen ausgeklammert; lohnt sich letztlich nicht. Die Liste meiner gescheiterten oder versandeten Anfragen ist ziemlich lang.

    Ich denke, dasss Aksak (Werner, richtig?) einen wirklich entscheidenden Punkt mit Material unterfuettert hat. Sei es die Handreichung oder der Wikipedia Artikel -- Architektur photographiert man nicht im luftleeren Raum. Das Argument "wenn es gefaellt", oder -- noch besser/furchtbarer -- "das soll so/das ist Kunst" ist aussagelos.

    Wie weit oder hoch der eigene Sprung wird, zu dem man mit einem Bid ansetzt kann sinnvoll nur im Einzelfall beleuchtet werden.

    Festzustellen ist, dass es so etwas wie Normen gibt, denen man entsprechen kann (wenn man denn kann); was ich gerne als "strenge" Auslegung bezeichne. Das ist im wesentlichen Handwerk und will erstmal beherrscht werden. Alle Mittel sollten dann diesem Zweck untergeordnet werden, Kamera, Objektiv, sonstiges Geraffel. Macht man das ganze dann "mit Anspruch", dann lohnt es sich natuerlich das passende Werkzeug einzusetzen. Als Profi mit anderer Zielsetzung als als Amateur, aber mit aehnlichem Prozess.

    Eine naechste Frage koennte dann sein, wie man die Aufgabenstellung loest, die sich bei aktivem Nichtbeachten der Normen ergibt. Genies moegen ihre eigenen Spielraum haben; ich wuerde mich von solchen Faehigkeiten ausnehmen. Ich lerne nach wie vor zu sehen und zu photographieren. Und vor der Meisterschaft einiger hier im Forum bin ich weit entfernt. Man kann Architektur auch ohne Verstellungen photographieren -- hat aber die Arbeit nachher. Ich habe schon haeufig im Labor eine Achse "hinbiegen" muessen, die ich mit "normalen" Kameras nicht entzerren konnte. Die Benutzung der Fachkamera hat fuer mich im wesentlichen die Erleichterung dieser Vorgehensweise gebracht -- im Sinne von "was schon richtig auf dem Film gelandet ist, muss nicht mehr korrigiert werden". Aber die Hauptaufgabe bleibt: richtigen Standpunkt finden, passenden Bildaufbau einstellen, das richtige Licht benutzen -- wenn es denn moeglich ist. Ich habe schon mehrere Gebaeude immer und immer wieder photographiert, ohne den Grad an Zufriedenheit zu erreichen, den ich moechte. Zwei der Gebaeude gibt es mittlerweile schon nicht mehr und meine besten Aufnahmen sind von "Erkundungsgaengen" mit anderen Kameras. Manche Gebaeude entziehen sich fuer mich der Photographierbarkeit. Zum Glueck bin ich in dem Fall kein Profi.

    Auch auf die Gefahr hin ein wenig zu wiederholen. Ich denke -- auch aufgrund der vielen Bilder, die er hier zeigt --, dass Dieter die Praxis so gut beherrscht, wie es nur geht. Aus den Anmerkungen, Kommentaren und Erlaeuterungen ist auch klar, dass extrem viel Ueberlegung und praktisches Wissen vorhanden ist. Ich denke, die Kamerafrage an sich ist immer wieder aehnlich zu beantworten. Man bewegt sich im freien Parameterraum aus Preis, Verfuegbarkeit von Teilen, technischen Annehmlichkeiten, Gewicht, und und und. Letztlich gibt es keine echte Architekturkamera, weil es sowas wie die echte Architekturphotographie nicht gibt. Es gibt also im wesentlichen persoenliche Vorlieben oder Abneigungen. Ich denke nicht, dass ich mir jemals eine Linhof GF Kamera zulegen werde. Etwas anderes ist die 6x17 Kamera, aber das wird wahrscheinlich nur was, wenn der Lottogewinn doch mal materialisiert.

    Ich finde bei den ganzen Betrachtungen die Objektivfrage noch am ehesten relevant. Ich habe schon meine Versuche mit 65mm, 75mm und 90mm hinter mir -- ich habe nur noch ein "lichtstarkes" 75er behalten fuer die 4x5, aber das benutze ich nur in absoluten Ausnahmefaellen als Architekturlinse. Wobei ich da auch nahezu jedesmal enttaeuscht bin. Hauptlinsen sind das 121mm und ein 180mm. Warum? Letztlich ganz simpel der Bildkreis. Beide kann ich auch an 8x10 benutzen, aber fuer meine Architekturaufnahmen stosse ich immer an die Grenzen der Verstellbarkeit. Wenn der Lottogewinn mal klappen sollte, dann waere auch ein 155mm Grandagon auf der Wunschliste.

    Ist generell ein anderes Thema, aber die Weitwinkelgeschichte finde ich echt schwierig beim Grossformat. Und das ist nicht vorrangig die Bildqualitaet oder der Bildkreis -- es ist die Praxis. Das Mattscheibenbild ist ungleich schwerer zu interpretieren, fokussieren ist schwerer, der geometrisch bedingte Lichtabfall, das Herumfingern mit versenkten Platinen.

    Hallo Dieter,

    ich antworte mit Einschueben:

    [...]

    Es geht gar nicht speziell um meine Interessen. Ich habe das Thema aufgemacht, weil in dem "Sinar oder Linhof für Architektur" sehr viel anklang, was aus meiner Sicht ein eigenes Thema sein sollte oder könnte. So hätten wir mal einen Austausch, in dem die unterschiedlichen Auffassungen zusammengetragen sind und die Brauchbarkeit von Kameras und Objektiven.

    Das Thema hatte ich vorher garnicht auf dem Schirm, den thread kann ich auch nicht voellig nachvollziehen. Von daher finde ich die Idee gut, die Punkte, die vielleicht zu eroertern sind in ein eigenes Thema abzuspalten. Zum Punkt der Brauchbarkeit komme ich weiter unten nochmal.

    Das Video habe ich von einem Forenten übernommen, der das in das Linhof ... Thema gesteckt hatte - es geht darum, ob eine Kamera für Architektur torkelfrei sein müsste. Das ist durchaus ein interessanter Aspekt, denn bei der Auffassung, ein Architekturfoto solle so abbilden wie auf einer Zeichnung, hat man die gleichen Einstellprobleme wie bei der Persilschachtel auf dem Tisch. Im Zusammenhang mit dem Video ist die Fragestellung Torkelfreiheit natürlich davon abhängig, ob man die Vorgehensweise von Rene Schrei für geeignet hält.

    Zum Thema brauchbare Kamera kann man auch besprechen, inwieweit die "Pfannkuchenkameras" welchen Einstellansprüchen genügen (zwei gegeneinander verschiebbare Platten).

    [...]

    Ich fange mal wieder wie der Naturwissenschaftler an -- erstmal definieren, worueber man spricht. Also: Was ist ein Architekturphoto? Wie ich schon erwaehnte gibt es eine ganze Reihe von "strengen" Darstellungen, die zitierte Zentralperspektive (die im uebrigen absolut fiktiv ist!) oder auch bestimmte Winkelansichten, die nahezu mathematisch exakt sein sollten. Letztlich gibt es aber keinen Test, den man anwenden koennte, der bestimmt ob eine bestimmte Aufnahme ein Architekturphoto ist oder nicht. Ich finde den Ausdruck "Stadtlandschaft" viel passender, weil es den Ermessensspielraum deutlich weiter fasst.

    Wir kommen also ganz schnell in den Bereich der Interpretation, wenngleich eine Aufnahme (mit oder ohne Manipulation) immer den physischen Gesetzmaessigkeiten folgen muss. Eine ganz triviale Erkenntnis ist zum Beispiel, dass man nicht von einem unerreichbaren Standpunkt aus photographieren kann. Also nicht durch Waende, nicht in der Luft oder sonst irgendwie unmoeglich photographieren kann. Das schraenkt die Auswahl der "machbaren" Bilder schon extrem ein.

    Die weitere Realitaet bei der Wahl der technischen Mittel ist, dass es Grenzen gibt. Der gewaehlte Standpunkt -- oder Perspektive -- bestimmt eindeutig, dass die Laengentreue unmoeglich ist. Man kann dem entgegenwirken durch passende "Verzerrung", gibt aber dafuer mindestens die Winkeltreue auf. Je nach Sehgewohnheit oder Erwartung sehen die Ergebnisse dann "falsch" aus. Fuer die Wahl der Objektive ist der wichtigste Punkt, dass diese keine weitere Verzerrung hinzufuegen ("rektilinear"0. Die meisten Grossformatobjektive erfuellen diese Anforderung allerdings, wenn man von den echten Telekonstruktionen absieht. Letztlich reduzieren sich die Anforderungen an die Objektive hauptsaechlich auf Brennweite/Bildwinkel und Bildkreis. Wenn man tief einsteigen moechte, dann kommen natuerlich noch 1000+1 weitere Sachen dazu, aber nichts was wirklich relevant fuer das Thema an sich waere.

    Bei Kameras wuerde ich hauptsaechlich zwischen unbrauchbar, brauchbar und gut geeignet unterscheiden. Unbrauchbar sind die Kameras, die die gestellte Aufgabe nicht erfuellen koennen, zum Beispiel nicht (weit genug) verstellbar. Die Unterscheidung zwischen brauchbar und gut geeignet ist dann die Frage nach dem Aufwand, den man treiben muss um die gestellte Aufgabe zu loesen. Man kann mit einer (dazu faehigen) Laufbodenkamera shift und tilt machen, ich haette keine Lust darauf. Und bei bestimmten Anwendungen ist Torkelfreiheit praktisch, aber der Einschaetzung der Unmoeglichkeit der Benutzung eines anderen Kameratyps kann ich mich nicht anschliessen. Es ist letztlich also das gute, alte "kommt darauf an, was man machen will". Die sogenannten Architekturkameras (ich hatte erst eine in der Hand) vom Typ Pfannkuchen finde ich sehr praktisch, wenn die Aufnahmesituation es zulaesst -- genuegend Platz vor dem zu photographierenden Objekt, genuegend Bildkreis und ausreichend Platz auf dem Film, 50% "Verlust" sind schon gut.

    DIe entscheidende Frage taucht bei den genannten Ueberlegungen nur am Rande auf, ist aber auch schon im thread erwaehnt: die Schaerfe der Abbildung. Wir wollen auf eine flache Oberflaeche abbilden. Damit haengt alles auch mal wieder mit circles of confusion, Abbildungsleistungen, MTFs, zusammen; oder wie erwaehnt am Bildformat, der Brennweite, dem verwendeten Aufnahmemedium, etc.

    Ich habe nicht den Ruf sonderlich pragmatisch zu sein. Ich kann (oder will) mir meine Wunschkameras nicht leisten. Letztlich ist die Kamera, die man zur Verfuegung hat die beste, die man verwenden kann. Besonders bei "Architekturaufnahmen" plane ich extrem penibel, also gewuenschtes Licht, Perspektive/Standort, Kamera. Die Ueberlegungen wie ich das Bild erreichen kann, dass ich im Kopf habe finde ich spannender als die Fragen, welche Ausruestung es noch besser oder einfacher machen koennte -- solange es ueberhaupt klappen kann, reicht mir das. Im Zusammenhang damit gefaellt mir das erste (vom Architekten abgelehnte) Bild besser als die strenge und unrealistischere Darstellung, die der Architekt abgenickt hat. Und das Bild aus dem Video finde ich grandios, wobei ich den Ausfuehrungen zur Festlegung der Schaerfeebene zwar folgen kann, aber nicht vollumfaenglich zustimmen wuerde.

    Gruesse,

    Christoph

    Hallo Dieter!

    Eine -- moeglicherweise -- spannende Eroerterung. Ich habe leider noch nicht verstanden, in welche Richtung Dein Interesse strebt. Ich befasse mich seitdem ich mit der GF Photographie angefangen habe auch mit einigen der im Text und im Video erwaehnten Themen, oder Begriffe. Vom praktischen Standpunkt bist Du einer der erfahrensten Architekturphotographen hier im Forum -- wahrscheinlich der erfahrenste. Ich gehe also davon aus, dass es entweder um Begrifflichkeiten oder auch theoretische Ueberlegungen gehen muesste.

    Um mal ein paar Sachen rauszuhauen: Architekten sind schon ziemlich speziell, was ihre Sehgewohnheiten und Erwartungen angeht. Das hat wahrscheinlich mit den formalen Kriterien zu tun, als auch mit etablierten Darstellungsformen. Die photographische Darstellung zur visuellen Begutachtung/Rezeption hat also schon vor dem Betrachten mit Filtern und Kriterien zu tun, die der Betrachter mitbringt. Ich gehe davon aus, dass Du nicht unbedingt die (hier im Forum) bereits gefuehrten Diskussionen um Ueberkorrektur, Restflucht, Perspektiven etc. wiederholen moechtest.

    Beim Video finde ich zum wiederholten Mal die Benennung(en) irgendwie irritierend, aber ebenfalls etabliert. Die gedankliche Fixierung auf die verschiedenen Achsen und Drehpunkte der Objektiv- und Filmstandarte ist irgendwie krueckenartig, oder anders gesagt: man konstruiert eine Kruecke, ueber die man dann beim Nachdenken stolpert. Die urspruengliche Formulierung von Scheimpflug ist *fuer mich* vollkommen ausreichend. Ja, es gibt eine wahrnehmbaren Unterschied bei der Einstellung der Kamera, ob sie "Basisverschwenkungen" (Zitat aus dem Video -> "torkelfrei") erlauben, im Gegensatz zu Kameras, die das nicht haben. Die Bezeichnung "doppelter Scheimpflug" halte ich -- folgerichtig? -- fuer irrefuehrend; im Sinne von: ich definiere erst die beiden Schwenkachsen, z.b. relativ zum Erdhorizont und beobachte, dass Schaerfeverlaeufe mit Anteilen beider Achsen auf einmal nicht mehr kompatibel sind mit dem Gedankengang der Schwenkung einer Achse... Beim Argumentieren nennt man das die "Strohmann - Strategie". Also nicht die eigentliche Fragestellung aufgreifen, sondern einen Strohmann aufbauen, den man dann verpruegeln kann. Welchen Schluss ich aus dem Video ziehen soll ist mir auch nicht klar.

    Zum zentralen Punkt: die jeweiligen Bildachsen (Objektivnormale, bzw. Filmnormale) oder Ebenen (die Flaechen, auf die die Normalen senkrecht stehen) entscheiden ueber den Schaerfeverlauf. Die Illusion irgendeiner Vorzugsachse kommt aus den mechanischen Gegebenheiten die Kamera auch in Realitaet zu bauen. Geometrisch richtig interessant wird dann der Punkt, den Du aufwirfst bezueglich der Abblidung aus einer gewaehlten Perspektive. Also Winkeltreue und/oder Laengentreue.

    Spannend, auch wenn ich mich bewusst (!) fuer einen voellig anderen Ansatz entschieden habe; aber mangels eines geniessbaren Werks unterlasse ich diese Erlaeuterung.

    VIele Gruesse,

    Christoph

    Moin,

    die erste Antwort ist die einfachste und beste. Entweder kaufen oder selber bauen. Selber bauen hat mich weniger als eine Stunde gekostet, es waere vielleicht huebscher geworden, wenn ich mehr Zeit investiert haette.

    Dies ist die kommerzielle Lösung: https://versalab.com/PARALLEL.html

    Kann man aber auch selbst bauen.

    Wahrscheinlich hatte mich der Aufbau aus dem zitierten Buch inspiriert.

    Moin!

    Hobbyisten-Antwort: mir helfen im wesentlichen helfen zwei Tests -- Schleiertest und Kontrastumfang. Das reine Kalenderalter sagt, wie Du bereits erwaehnst relativ wenig aus. Bestimmt gibt es Beschreibungen, was da so passiert. Letztlich ist die Frage entscheidend "ist noch gut?". Schleiertest ist fuer mich das bestimmen des Schwellwerts, ab wann das Papier nicht mehr weiss bleibt. Also wieviel Vorbelichtung es braucht, um helles Grau zu erhalten. Kontrastumfang mache ich mit Graustufenkeil. Die Startwerte schreibe ich mir auf die Packung, so dass ich Abweichungen recht gut dokumentiert bekomme.

    Meine Beobachtung ist auch, dass die Eigenschafts-Streuung und die Alterungsbestaendigkeit meiner Papiere vor rund 20 Jahren noch deutlich besser war. Meine Anpassung ist, dass ich mein Papier einfach immer wieder teste. Nervt ein wenig, aber garantiert im gewissen Rahmen, dass ich unter halbwegs konstanten Bedingugen arbeiten kann. Aber ganz klar: das ist auch nicht sofort sichtbar. Es passiert mir immer noch zu haeufig, dass ich eine Dukasession komplett in die Tonne hauen kann, weil das Papier doch nicht mehr gut ist. Meine Sekundaerloesung ist also: weniger Papier auf Lager halten, also nur noch mit relativ neuem Papier arbeiten. Und die Tests vorab machen, einen Tag oder ein paar Stunden vorher. Den Trocknungseffekt finde ich auch nach mehreren Jahrzehnten im Labor immer noch unberechenbar.

    Gruesse,

    Christoph

    Moin Karsten

    [...]Entwicklerbad enthält viel Silber, keinesfalls in den Abguss!! Stattdessen mit Kochsalz vermischen, dem Tageslicht aussetzen, Silber ausfällen lassen, dekantieren und das Silber so abscheiden. Trocknen, sammeln und irgendwann zur Scheideanstalt oder entsorgen lassen.

    Fixierer mit Natriumdithionit versetzen (im Freien!), Silber ausfällen lassen, weiter wie beim Entwicklerbad.

    [...]

    Ok, ich brauche ein wenig Erklaerung. Ich habe mich jetzt lange auf die Suche begeben und finde absolut keinen Hinweis darauf, dass der Entwickler in irgendeiner Form Silber aus der Beschichtung loest. Hast Du irgendwelche Quellen fuer die Aussage? Zumal das Auffangen und Aufbewahren der benutzten Entwicklerloesung garnicht so einfach waere.

    Hast Du Erfahrung mit der Rueckgewinnung des Silbers mittels der verschiedenen Methoden? Beim "normalen" Fixierbad achte ich penibel darauf kein Eisenhaltiges Wasser zu benutzen, so dass ich bei der Elektrolyse ziemlich sauberes Silber bekomme -- das kann ich dann leicht wieder in Silbernitrat verwandeln. Bei den anderen Reduktionsformen mit Kupfer oder Nickel bin ich mir nicht so sicher. Bei der Reduktion mit Eisenwolle kann man das knicken. Aber was ist bei der Faellung mit Dithionit? Bekommt man da wieder reines Silber heraus, sofern man keine anderen Metallionen hineinmanoevriert hat?

    Gruesse,

    Christoph

    Ok, nächste Frage. Weil es gerade ansteht. Ich lese so oft beim ansetzen der "halogenisierten Collodion" Lösung, davon, dass diese reifen soll. Jetzt frage ich mich einerseits, was das wirklich sein soll und an welchem Punkt man erkennt, dass es "gut" ist. Die beste Schätzung läuft über die Farbe, wobei die Theorien dazu, was passiert mitunter echt seltsam anmuten. Ist das so schwer das analytisch zu machen? Ist nicht als Vorwurf gemeint, sondern als echte Frage. Es gibt verschiedene -bromide und -iodide, die man verwenden kann; dann ist auch noch das spezifische collodion unterschiedlich. Das einzige, was gemein ist, ist der ungefähre Gewichtsanteil an Pyroxilin von 2%.

    Sonstige "aktive" Substanzen gibt es doch eher nicht. Es gibt unterschiedliche Mengenverhältnisse von Äther und Alkohol. Das verschieben der Farbe von gelblich Richtung rot soll das "ausfallen" von Iod darstellen. Elementares Jod?! Folklore sagt, es gäbe einen optimalen Punkt der Gelbfärbung ("honiggelb", ist das eher Akazienhonig? Wahrscheinlich kein Tannen- oder Kastanienhonig). D.h. es wird einen Unterschied geben in der Verfügbarkeit der Iod-ionen, die sich mit dem gelösten (kolloidalen?) Silber in der Silberlösung verbinden können. Was ist mit den Bromiden?

    Ich verstehe, dass die Lösung beider "Halogenide", in meinem Fall Kaliumiodid und Kaliumbromid in Alkohol nicht dauerhaft funktioniert -- die beiden sind nunmal schwer bis gar nicht löslich in Alkohol.

    Ich frage mich, ob es eine Möglichkeit der Regeneration gibt und ob es Tests gibt, außer dem raten der Farbe.

    Grüße,

    Christoph

    Hi Karsten,

    Vielen Dank für die Info. Ich denke, dass es erstmal viel Lehrgeld werden wird. Workshop habe ich immer noch auf dem Schirm. Mein Hauptkontakt war Oliver Rolf, der ist aber leider überraschend gestorben. Und halbwegs erreichbar im Norden gibt‘s nicht so viele Möglichkeiten.

    Mir fehlen einfach die ganz praktischen Empfehlungen. Meine Hauptfragen sind eben zu der Chemikalienpflege. Und welche Flaschen geeignet sind. Für die collodium Lösung habe ich mich zum Beispiel gefragt, ob ein Stöpsel Verschluss besser wäre. Und die Flaschendichtungen sollten wahrscheinlich keinen Kunststoff haben, wegen der Säuren. Ist es sinnvoll die gebrauchsflüsigkeiten zu filtern, bevor man sie zurück schüttet? Also den Rückfluss vom collodium, sowohl die silberlösung?

    Die Entsorgung ist mir damit klar. Silberrückgewinnung aus dem Fixiererrest mache ich selber. Dithionit mache ich wegen der Nachbarn und des Geruchs nicht. Entweder elektrolytisch oder über den Zwischenschritt mit Stahlwolle und einschmelzen. Für den Entwickler hier werde ich mal recherchieren, wie man den sinnvoll neutralisiert und immer noch das Silber rückgewinnen kann.

    Für das schneiden der Platten werde ich mir einen extra schiebeschlitten für die Bandsäge bauen

    Glasplatten und Aluplatten in den Standardgrößen 9*12 bis 8*10" bekommst du als 10er Pack z.B. bei Fotoimpex und Zebradryplates.com. Bei abweichenden Größen (gerade bei Aluplatten) kann man versuchen, Anbieter im Internet zu probieren. Selbermachen? kleine Bandsäge oder kleine Tischkreissäge mit Metallsägeblatt und etwas Übung.

    Selbermachen waere fuer mich die Option; ich habe eine umgebaute RB67 Kassette und eine (bald zwei) DIY 5x7 Kassette. Standardformat hilft da nicht; abgesehen vom ungewoehnlich hohen Preis.

    Bandsaege ginge nur mit jig, weil der Abstand ganz schoen kurz ist. Fuer so duenne Platten habe ich keine so gute Idee. Mein normaler Schiebeschlitten liegt nicht auf dem Tisch auf. Haettest Du da eine Vorlage? Kreissaege habe ich nicht, wuerde ich bei der Materialstaerke aber auch nur ungern machen. Fuer Blechschere ist's eben zu dick.

    Ach, völlig vergessen. Glasplatten finde ich zwar doof, aber das Zuschneiden ist einigermaßen einfach. Bei aluplatten für tintypes stehe ich vollkommen auf dem Schlauch. Handwerklich bin ich einigermaßen geschickt, aber Metall ist nicht so meins. Wie schneidet man so kleine Platten millimetergenau und sicher zurecht?

    Grüße,

    Christoph

    Moin!

    Nach langem hin- und her habe ich endlich (fast) alle Vorbereitungen abgeschlossen um es in Eigenverantwortung zu probieren. Ich warte nun auf die letzten Chemikalien (bestellt bei camera obscura).

    Kennt jemand eine Quelle (Buch, Webseite, etc.), wo die praktischen Details besprochen werden? Meine Fragen beziehen sich auf das Testen der einzelnen Chemikalien, bzw. deren Wartung. Die Silberlösung ist da noch das einfachste.

    Welche Flaschen sind jeweils am besten für die Lösungen geeignet, mit welchem Verschluss und welcher Öffnungsgröße. Wie pflegt man die Schalen? Sollte man den verbrauchten Entwickler sammeln und abgeben? Welche Empfehlungen gibt es da jeweils?

    Grüße,

    Christoph

    Der Schlüssel zu staubarmen Filmen nach dem Trocknen ist eine staubarme Umgebung beim Trocknen. Die Klassiker sind

    a) Trockenkammer oder -zelt

    b) Dusche/Duschkabine, vor dem Aufhängen einmal alle Wände abspülen

    Trockenschrank braucht viel Platz, Trockenzelt habe ich für eine Weile benutzt, wieder abgeschafft -- weniger Geraffel wie Luftfilter, Platzbedarf. Dusche funktioniert hinreichend gut.

    [...] Das mit den Vorteilen der Laserlösung ist mir jedoch nicht einsichtig. Ich sehe da nur Nachteile. [....]

    Das Lasergerät kann nur eines: eine senkrechte Ausrichtung analog anzeigen, und das noch in einer problematischen Weise, per Laser. Da wird die Ausrichtung erst recht zu einer heiklen Sache. [...]

    Hmm, vielleicht reden wir hier ein wenig aneinander vorbei. Vielleicht ist ein wenig unklar, wie das mit dem Laser funktioniert. Vielleicht hat Dich das zitierte "ist doch Murks" veraergert.

    Der Laser ist so ausgerichtet, dass er den Lichtstrahl exakt senkrecht auf die Bezugsflaeche, auf der er steht nach oben schickt. Zugegeben, diese Orthogonalitaet selber einzurichten ist nicht so einfach. Aber sollte eigentlich nur einmal noetig sein. Mit dem fertigen Werkzeug guckt man nur nach dem reflektierten Strahl der einzurichtenden Ebene. Trifft dieser wieder exakt die Austrittsoeffnung, dann ist die reflektierende Flaeche parallel zur Standflaeche ausgerichtet. Die Genauigkeit kann man, wenn man will selber ausrechnen. Normale Libellen oder Wasserwaagen sind von der Winkelgenauigkeit jedenfalls kaum machbar. Falls gewuenscht kann ich das ja mal ausrechnen, bin gerade nur zu faul dazu.

    Bei Wasserwaagen muss jede einzelne ziemlich exakt sein und man muss jede Ebene einzeln exakt einstellen. Beim Laser muss man "nur" relativ zueinander einstellen. Vielleicht ist das Ausrichten mit Wasserwaage auch nicht so schwer, aber wirklich praktisch stelle ich mir das nicht vor.

    Eine Ausrichtungsorgie verlangt das Wasserwaagenprinzip aber eher nicht. Man befestigt die Gyros oder die analogen Wasserwaagen wie z.B. diese Sinar-Wasserwaagen dauerhaft an den entscheidenden Stellen. Du würdest von der Arbeit mit einer Sinar P ja auch nicht sagen, das wäre eine "Ausrichtungsorgie".

    Das geht von der eigentlichen Fragestellung ein wenig weg. Aber das bleibt interessanterweise ein aehnliches Problem. Ich habe bislang keine Sinar P benutzt. Aber ich benutze fuer das Ausrichten der Kamera eine "Praezisionswasserwaage". Eine Orgie ist das nicht, ich gebe mir aber auch nur mit der Rueckstandarte so richtig viel Muehe. Aber selbst wenn die Libellen an meiner Kamera genau waeren, ich kann nicht genau genug ablesen. Und die Parallelitaet der Standarten zu testen ist wirklich nicht so trivial, diese Herausforderung stellt mir meine Unterwegs-Fachkamera haeufiger.. Aber leider ist das auch nicht das eigentliche Thema.

    Unpraktikabel dürfte der Laser sein, wenn es um Boden- und Wandprojektionen geht. Ich stelle es mir einfach schwierig vor, den Laser an der Wand zu befestigen, ...

    Es ist unpraktischer bei der Wandprojektion, ja. Das habe ich nicht erwaehnt, bzw. bei der Antwort nicht bedacht. Bei der Bodenprojektion ist es allerdings genauso einfach oder schwierig wie beim "normalen" Tischvergroesserer. Ich brauche den Laser nur zu sehen, meine Finger sind mit der Einstellung beschaeftigt.

    Gruesse,

    Christoph

    Oje, Vollzitat. Aber hier vollkommen angebracht. Ich habe mir so ein Ding aus einem Laserpointer und einem Holzdreieck selber gebaut. Einfach, schnell, sehr genau.

    Klar muss man bei reflektierenden Oberflächen und Lasern ein wenig aufpassen.

    Aber die Liste der Vorteile ist einfach zu lang: lieber absolut sicheren Stand des Vergrößerers anstatt Ausrichtungs-Orgien mit der Grundplatten Nivellierung, Negativbühne und Objektivhalterung zu machen.

    Der Check dauert ca. 30s (aus dem Schrank holen eingerechnet).

    Das ist ein echter Tiefschlag. Ich habe ihn leider wegen Corona seit über anderthalb Jahren nicht gesehen und gesprochen. Wir haben damals natürlich über das Photographieren und Pläne gesprochen.

    So richtig mag ich es noch nicht glauben.

    Ich bin sehr traurig.